Festplatten wechsle ich blind turnusgemäß spätestens alle drei Jahre. Ich hoffe einfach, damit das Risiko von hardwarebedingtem Datenverlust zu minimieren. Beim letzten Wechsel im September rückte erstmals auch eine Notebook-HD in meinen Desktop. Diese besonders stromsparende, leise und erschütterungsresistente Bauart war inzwischen erschwinglich geworden. Und eine zweite Festplatte erschien mir hauptsächlich für das Schneiden meiner DVB-Aufnahmen sinnvoll, das durch das Hin- und Herkopieren größerer Datenbatzen ein System mit einer einzelnen HD rasch empfindlich ausbremst. Damals entschied ich mich für eine 80GB Samsung M60 (HM080IC), die letzte Woche per Notfalltransplantation instantan in das altersschwache Notebook von Bekannten verpflanzt werden musste. Mir ermöglichte das, die neue M80-Serie von Samsung einmal persönlich unter die Lupe zu nehmen.
Vorstellung Samsung M80
Für die M80 Serie quetscht Samsung mittels Perpendicular Recording (PMR) 80GB auf jede Scheibe und schließt damit zu Seagates Momentus 5400.3 auf, die Herr Jeh ja schon im Frühjahr sehr lesenswert gewürdigt hat. Es gibt Varianten mit 80 GB, 120 GB und 160 GB, jeweils als IDE oder SATA-LW ausgeführt. Wirklich neu ist allenfalls die optionale Integration eines andernorts extern im Notebook untergebrachten Beschleunigungssensors, der das sofortige Einziehen der Schreib-/Leseköpfe veranlassen kann, wenn das ganze Laptop oder nun eben die Festplatte zu fallen beginnt. Bei Samsung soll das jetzt schon ab 30cm Fallhöhe funktionieren. Interessant ist das sicherlich auch für externe HDDs. Ich kann aber nicht sagen, ob dieses Feature überhaupt für einfache Endkunden verfügbar und z.B. in mein Exemplar schon eingebaut ist.
Mein schlampig konzipiertes AOpen-Mainboard akzeptiert ein SATA-HDD nur, wenn ich es in ein RAID spanne. Also orderte ich die IDE-Ausführung mit 80GB (HM080HC), die ob nur einer eingesetzten Scheibe auch das leiseste Laufwerk der Baureihe sein sollte. Sie kam vorbildlich verpackt und fabrikneu verschweißt bei mir an, so dass mögliche Transportschäden im weiteren nicht berücksichtigt werden müssen. Herstellungsdatum: 11/06
I. Betriebsgeräusch
Erster Eindruck: Diese Festplatte vibriert! Und zwar deutlich. Für mich als treuen Samsung-Kunden ist das seit Jahren vertraut und ich habe gelernt, mich darauf einzurichten. Dennoch war ich überrascht, dass man diese Eigenart nun auch den viel empfindlicheren Notebooks zumuten zu können vermeint. Sollte also nicht der rare Fall eingetreten sein, dass ausgerechnet nur mein Exemplar vibriert, wird das sicherlich noch für Unmut in den einschlägigen Foren sorgen.
Mit einer zweiten potentielle Lärmquelle bekam ich es dagegen schon bei anderen 2,5"-HDs und zuletzt auch bei der M60 zu tun: Die naturgemäß dünnwandigen Metallabdeckungen der Oberseite wirken - frei liegend - als Resonator und sorgen für ein zwar unaufdringliches, aber doch präsentes Reib- oder Schleifgeräusch, werden sie nicht vollständig und dicht aufliegend abgedeckt - im Notebook idealer Weise durch ein Wärmeleitpad. Für den Einsatz im Desktop setze ich deshalb einen dicken Alu-Kühlkörper auf und versuche so, drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: (1) Gewicht erhöhen für stabile Lagerung auf Schaumstoff, (2) Resonanz der Metallabdeckung minimieren und (3) Kühlung verbessern.
HM080HC ohne..

...und mit Hütchen.

Derart präpariert und auf Schaumstoff gelagert, ist die Platte nur noch für einen kurzen Moment unmittelbar beim Hochfahren wahrnehmbar. Zugriffsgeräusche können mittels AAM vollständig annihiliert werden, sind aber auch ohne Lesekopfbremse nur noch aus 15-20cm Entfernung bzw. durch Ohrauflegen erkennbar. Silentdrive durfte ein paar Sekunden in allen Betriebszuständen die Leseköpfe durchschütteln, während ich neben dem Tower kauerte: Quasi kein Unterschied zwischen "aus", "laut" und "leise". Der Rechner mit dem ich dies testete hat übrigens als einzig erkennbare Geräuschquelle eine SP2514N im Scythe Quiet Drive, da beide 12cm YateLoon auf 450 U/min nicht mehr zu hören sind.
II. Stromverbrauch
Lt. Samsung verbraucht die HM080HC 0,6W idle, 2W im Schreib-/Lesebetrieb und 4,5W beim Anfahren. Idle kann ich den Mehrverbrauch mit meinen Energiemessgeräten gar nicht zuverlässig bestimmen, während sie mir für die SV1604N ca. 6W angeben, für die SP2514N 8W.
III. Leistungsvergleich
Irgendwann habe ich es mir angewöhnt, jede einlaufende neue HD zuerst einmal mit den aktuellen HD-Benchmarks der c't zu untersuchen, zuletzt also mit h2benchw. Die Ergebnisprotokolle bewahre ich auf, um sie bei einer Fehlersuche mit dem Ist-Zustand der Festplatte vergleichen zu können. Aber auch verschiedene Laufwerke lassen sich so ganz passabel vergleichen.
Die hier ausgewählten Testergebnisse sollen einerseits einen schnellen Vergleich 3,5" vs. 2,5"-Platten ermöglichen und Samsungs ältere 2,5" Serie M60 der neueren M80 gegenüberstellen. Wo möglich habe ich zusätzlich Herrn Jehs Ergebnisse der Konkurrenz-HD von Seagate einfließen lassen.
Kandidaten:
- M80 80GB: Samsung HM080HC, 2,5", PATA, 1 Scheibe, 2 Köpfe, 8 MB Cache, 5400 U/min
- M60 80GB: Samsung HM080IC, 2,5", PATA, 2 Scheiben, 3 Köpfe, 8 MB Cache, 5400 U/min
- V80 160GB: Samsung SV1604N, 3,5", PATA, 2 Scheiben, 4 Köpfe, 2 MB Cache, 5400 U/min
- P120 250GB: Samsung SP2514N, 3,5", PATA, 2 Scheiben, 4 Köpfe, 8 MB Cache, 7200 U/min
(- 5400.3 80GB: Seagate ST980815A, 2,5", PATA, 1 Scheibe, 2 Köpfe, 8 MB Cache, 5400 U/min)*
Testsysteme:
(- 5400.3: s. Angaben Herr Jeh)*
- SV1604N: Celeron 1100, ASUS TUSL2-C, 512MB SDR RAM
- übrige: C4M 2.0, ASUS P4P800S SE (i848P), 256MB DDR RAM
* = Alle Daten zur Seagate Momentus 5400.3 mit 80 GB wurden aus Herrn Jeh's Review übernommen:
1. Dauertransferrate Lesen

Dargestellt ist die Transferrate über die gesamte Festplatte hinweg. Wichtige Trends werden schon hier deutlich: Eindrucksvoll ist aber der Abstand zur alten M60. Die M80 kann gleichziehen mit der gleich schnell drehenden, aber technisch in die Jahre gekommenen Desktop-Festplatte SV1604N. Einer auf 7200 U/min beschleunigenden SP2514N kann sie freilich nicht das Wasser reichen. An der langsameren Drehzahl allein liegt das nicht, wie auch schon ein älterer Storagereview-Artikel feststellt, in dem auch höher drehende Mini-HDs keine Chance gegen die Desktop-Boliden haben.
2. Mittlere Dauertransferrate

Betrachtet man nur die Mittelwerte der Dauertransferrate, erzielen Samsungs M80 und Seagtes 5400.3 vergleichbar gute Ergebnisse, wiederum mit deutlichem Abstand zur älteren Notebookfestplattengeneration (M60).
3. Mittlere Zugriffszeit

Ein Grund für den relativen Rückstand der 2,5"- gegenüber den 3,5"-Drives sind ihre langsameren Zugriffszeiten.
4. Anwendungsindex

Markus aka Herr Jeh verwendete für seine Tests die ältere DOS-Version hdbench, die keinen Anwendungsindex liefert. Also kann ich für den Vergleich mit der 5400.3 auch keinen nennen. In c't 4/06 wurde für das 160GB-Modell aber ein Anwendungsindex von 16,3 veröffentlicht. Ob dieser Benchmark angesichts heutiger Software überhaupt noch aussagekräftig ist, darf diskutiert werden.
IV. Fazit
Aktuelle 2,5" HDs mit PMR erreichen annähernd die Leistungsfähigkeit älterer auf 5400 U/min drehender 3,5"-Laufwerke. Preislich erschwinglich geworden, aber immer noch deutlich teuerer als Desktopfestplatten (aktuell ca. 70 Ct/GB vs. 25 Ct/GB) kommen sie als Alternative für den Desktop immer dann in Frage, wenn es darum geht, besonders robuste, unschlagbar leise und / oder verbrauchsarme Systeme aufzubauen.
Vergleicht man die beiden 2,5" 80GB HDs aus der M80 vs. 5400.3 Serie, so kann Samsung bei gleicher Leistung mit dem etwas günstigeren Preis punkten und evtl. noch mit AAM, dem sich Seagate ja bekanntlich verweigert. Dagagen lockt Seagate mit vollen 5 Jahren Garantie, während Samsung nur 3 bietet. Schwerer wiegt aber der u.U. für den Notebook- oder verschraubten Desktop-Einsatz entscheidende Nachteil, dass die M80 offenbar dazu neigt, so munter zu vibrieren, wie man das nur von ihren Desktop-Schwestern kannte.